
„Es ist schon wieder etwas passiert“, würde Wolf Haas in einem seiner neuen Kriminalromane schreiben und zutreffender könnte dieses Intro gar nicht sein. Während ich in der warmen Wohnung über das Erlebte schreibe, fange ich an zu schmunzeln. Und mir kommt der Gedanke, welch Hebelwirkung doch die lächerlich kleinen Dinge des Lebens haben können. Was es damit auf sich hat, mehr dazu in diesem Blogbeitrag.
„Ich kann etwas bewegen! Ich kann es schaffen!“
Prinzipien der Selbstwirksamkeit
Absichtlich lächerlich klein
Manchmal erscheinen die eigenen Wünsche und Erwartungen an das Leben überdimensional groß. Der Weg dorthin schier unbezwingbar und in naher Zukunft nicht erreichbar. „Noch nicht erreichbar“ auf dem zweiten Blick. „Erst erreichbar wenn ich folgende Dinge in meinem Leben verändere“ auf dem dritten Blick.
Das Große wird begreifbarer, Stück für Stück erfassbarer wenn wir es klein denken. Nicht abschätzig klein sondern bewusst überschaubar. Denn jedes einzelne Puzzleteil ergibt zusammen ein großes Ganzes. Um vom Denken ins Handeln zu kommen helfen uns unsere Gewohnheiten.

Kurz zu mir: Seit Wochen plagten mich nun Müdigkeit, ein Gefühl von Frust und innerer Unruhe.
Mein Alltag als Working-Mum ist mit Sicherheit eines: Abwechslungsreich. Schlafmangel, trotziges Kind, Haussanierung, beruflich, wie privat von einem zum anderen. Da bleibt oft wenig Zeit zum Durchatmen und Entspannen. Auch ist es oft schwer alltagstaugliche Pläne zu schmieden, wenn man gefühlt stets am Reagieren ist.
Wie kann man also für Abhilfe sorgen? Ein gutes Zeitmanagement kann schon mal nicht schaden, aber was es dazu braucht, ist eine ordentliche Vorbereitung, Ehrlichkeit und Transparenz in Sachen Selbstmanagement.
Wenn ich es schaffe, schaffen Sie es auch:
Wie ist es mir nun gelungen für positive Veränderung zu sorgen und endlich wieder mehr Gelassenheit im Alltag zu erleben? Ich habe wieder angefangen in mein Abendjournal zu schreiben und mich bewusst mit mir zu beschäftigen.

Winzige Schritte, eben lächerlich kleine, erleichtern das Bilden von neuen Gewohnheiten. Stephan Guise hat den Begriff der „Mini-Habits“ geprägt (meint: kleinen Gewohnheiten).
Nehmen wir mein Beispiel von innerer Trägheit. Die meisten von uns sind so gestrickt, dass sie sich gerne verkriechen, wenn sie sich unwohl fühlen. Was allzuoft zusätzlich am Selbstwertgefühl kratzt, die verinnerlichte Meinung bestärkt, man wäre ein Versager und bekäme nichts auf die Reihe. Alles andere als selbstwirksam. Man lässt sich treiben und hofft, dass sich im außen was ändert. Jemand kommt und einem die Last von den Schultern nimmt, oder den eigenen Frust auf Reisen schickt.
Was wäre aber, wenn ich mir vornehme etwas lächerlich kleines täglich in meinen Alltag (neu) zu integrieren? Eine neue Gewohnheit zu etablieren?
Ich habe zum Beispiel beschlossen, neu in den Tag zu starten und nachdem mein Sohn bei der Tagesmutter ist eine lächerlich kleine Runde spazieren zu gehen. Frischluft zu tanken, wenigstens für 5 Minuten. 5 Minuten wirken lächerlich wenig und doch ideal, um es zu wagen.
Hat sich dadurch für mich etwas verändert: Ja und wie!
Ich habe meinem inneren Schweinehund die rote Karte gezeigt. Aus den 5 Minuten wurden ganze 45 Minuten. Die frische Luft hat mir enorm gut getan, mich und meinen Kreislauf in Bewegung gebracht. Und das ist auch kein Wunder lindert regelmäßiges Gehen nachweislich Stress und Müdigkeit bereits nach zehn Minuten. Zudem stärkt es das Immunsystem und mäßigt meinen Heißhunger auf Süßes – ideal also für einen gesunden Lebensstil.
Ich fühle mich nun ausgeglichener, wie schon lange nicht mehr, denn die Morgenrunde hat meinen Körper veranlasst Glückshormone auszuschütten. Ich bin aus meinen alltäglichen Routinen ausgestiegen. Zumindest für heute und das ist schon mal ein Anfang! Habe mir endlich wieder mal ein gesundes Frühstück mit frischem Obst gemacht und bin mit Gelassenheit in den Vormittag gestartet.
Noch während meiner Morgenrunde hab ich mich wiederholt ertappt, dass ich einfach grinsen musste, es kam Freude in mir auf. Leichtigkeit stellte sich ein, Aufgaben schienen nun bewältigbarer und ich wieder in meiner Mitte angekommen. Dieses gesunde Lebensgefühlt hatte ich in letzter Zeit vermisst und nun wieder neu entdeckt. Das Ganze, hatte eine positive Wirkung auf meine Tagesgestaltung, ein Dominoeffekt also, der einen so lächerlich kleinen Anfang hatte.
Der positive Mehrwert:
Wir sehnen uns nach schnellen Ergebnissen. Ferne Ziele können für Frustration sorgen. Man könnte auch sagen: „Was ich heute kann besorgen, das verschiebe ich nicht auf morgen“.
Aus Sicht der Evolution ist das nur sinnvoll. In der Steinzeit hatten unsere Vorfahren auch nicht erbeutete Tiere frei gelassen, nur weil sie dachten, sie wären zu klein und sie würden lieber größere, nahrhaftere suchen. Ein lächerlicher Gedanke nicht wahr.
Kleine Schritte zu machen heißt übrigens nicht auch jedem Impuls gleich nachzugehen sondern bedachter zu werden in seinen Entscheidungen.
Minigewohnheiten sorgen idealerweise für einen disziplinierenden Kaskadeneffekt. Will heißen: Wer etwas täglich konsequent macht, dem fällt es zunehmend leichter dranzubleiben. Bis aber ein Verhalten tatsächlich zur Gewohnheit wird, dauert es je nach Mensch und Vorhaben durchschnittlich zwischen 66 und 254 Tagen. Wenngleich sich im Laufe der Zeit die Anstrengung reduziert. Der positive Nebeneffekt von guten Gewohnheiten: Wir gewinnen neue Kraft und Energie für weitere lohnenswerte Gewohnheiten – eine Wechselwirkung, ein Kreislauf.
Und dennoch: Emotionale Motivation ist wichtig, aber gegen Aufschieberitis hilft nur Disziplin!
Welchen lächerlich kleinen Schritt wollen Sie wagen?
Tuen Sie sich Gutes und bleiben Sie in Bewegung,
Eva Maria Müller
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